Green und Red Flags können Wegweiser sein, ob man sich in einer Beziehung gegenseitig guttut oder nicht. Aber sind solche verallgemeinerten Zuschreibungen wirklich immer hilfreich?
Inhalt:
- Was sind Red Flags bei Männern und Frauen?
- Beispiele für Red Flags
- Was sind Green Flags bei Männern und Frauen?
- Beispiele für Green Flags
- Beige Flags beim Dating
- Darum sind vorschnelle Schlüsse nicht immer ratsam
- Fazit
Er spricht ständig von der Ex, sie antwortet nur sporadisch: Beim Daten sind das heute alles alarmierende Eigenschaften, sogenannte Red Flags. Dann gibt es noch die Green Flags: Sie sollen darauf hinweisen, dass man mit einer Person durchaus eine gesunde Beziehung führen kann. Ja, eine gewisse Wachsamkeit und ein Bewusstsein beim Dating ist von Vorteil. Das Problem dabei: Die bunten Flaggen als verallgemeinerte Zuschreibungen sind nicht nur zu einer Art Trenderscheinung geworden, sondern machen häufig auch nur das Gegenüber dafür verantwortlich, was gut oder schlecht läuft – ohne das eigene Verhalten zu hinterfragen. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über Sinn und Unsinn des Flaggensystems. Und warum die Beige Flag eine Chance verdient hat.
Was sind Red Flags bei Männern und Frauen?
Als sogenannte Red Flags (z. Dt. rote Fahnen) werden Warnzeichen in zwischenmenschlichen Beziehungen und vor allem beim Dating bezeichnet. Es geht dabei um Verhaltensweisen oder Eigenschaften des Gegenübers, die ein mögliches Risiko für die Beziehung darstellen. Der Begriff Red Flag wird auch häufig verwendet, um Anzeichen von toxischen Beziehungen zu erkennen. Also eine Partnerschaft, die mindestens ein:e der beiden Partner:innen als sehr belastend empfindet und bei der die Bedürfnisse einer Person sehr viel mehr im Vordergrund stehen als die der anderen.
Beispiele für Red Flags:
- Sich nicht an Vereinbarungen halten
- Keine Empathie
- Unfaires Verhalten
- Eifersucht und mangelndes Vertrauen
- Jede Form von Missbrauch und Gewalt (emotional, körperlich, sexuell)
- In letzter Minute absagen
- Manipulation (z.B. Gaslighting)
- Der Versuch, den:die Partner:in von deinen Freund:innen oder der Familie zu isolieren
- Respektiert Grenzen nicht
- Übermäßige Kontrolle
- Unfähigkeit, Konflikte gemeinsam zu lösen
Was sind Green Flags bei Männern und Frauen?
Green Flags (z. Dt. grüne Fahnen) sind Anzeichen, die beim Kennenlernen einer neuen Person darauf hindeuten, ob daraus eine gute und gesunde Beziehung werden kann. Sie sind das Gegenteil von Red Flags, welche als Beziehungswarnsignale gelten.
Beispiele für Greenflags:
- Das Gefühl, man selbst sein zu können
- Grenzen werden respektiert
- Jede:r hat Raum für eigene Ziele und Interessen
- Sich körperlich und emotional verbunden fühlen
- Balance (man gewinnt Energie daraus, Zeit zusammen und getrennt zu verbringen)
- Übereinstimmen von Worten und Taten
- Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen
- Verständnis für andere Sichtweisen
- Wünsche und Bedürfnisse des Gegenübers werden respektiert
- Offene Kommunikation über Ziele, Werte und Bedürfnisse
- Sich gegenseitig respektieren
Beige Flags beim Dating
Beige Flags (z. Dt. beige Fahnen) sind, wie die Farbe bereits erahnen lässt, unauffälliger als Green oder Red Flags. Dafür aber vor allem beim Online-Dating weit verbreitet. Hierbei geht es um Angaben von Menschen auf Dating-Portalen, die eher nichtssagend sind, sodass man kaum etwas über die Person erfährt.
Mögliche Beige Flags können beispielsweise sein, ob man Koriander oder eine Mainstream-Serie mag. Eintönige Antworten, Bilder oder Hobbies, die man auch auf vielen anderen Profilen findet, weisen ebenfalls darauf hin. Auf der anderen Seite sind viele Beige Flags aber auch einfach seltsame Angewohnheiten, an die man sich erst gewöhnen muss, die einen aber langfristig nicht unbedingt stören – alles ganz subjektiv. Denn: die Beige Flag des einen Menschen ist die Green oder Red Flag des anderen.
So fallen beige Flaggen zwar auf, müssen aber noch lange kein Treffen oder die Beziehung ruinieren. Und nicht zu vergessen: oftmals machen bestimmte Eigenarten eine Person doch auch liebenswert oder noch interessanter.
Darum sind vorschnelle Schlüsse nicht immer ratsam
Eines vorweg: Es ist gut, dass wir uns zunehmend bewusst darüber werden, welches Verhalten wir von einem:einer Partner:in akzeptieren können und welches nicht. Es gibt Red Flags, die ziemlich universell sind, bei denen die Alarmglocken bei Betroffenen eindeutig läuten sollten und die absolut indiskutabel sind. Dazu gehören gewalttätiges Verhalten, übermäßige Eifersucht oder Kontrolle und alles, was auf Missbrauch und Manipulation hindeutet.
Jedoch ist nichts im Leben schwarz-weiß. Während es in einer monogamen Beziehung höchstwahrscheinlich eine Red Flag wäre, wenn sich eine:r der beiden Partner:innen plötzlich bei einer Dating-App anmeldet, so kann das in einer polyamoren Beziehung ganz normal sein.
Und: Fragen Sie sich selbst ganz ehrlich, ob sie sich durch ihre:n (Dating-)Partner:in vielleicht nur getriggert fühlen, er oder sie Ihnen „den Spiegel vorhält“ für ein Thema (z.B. aus der Vergangenheit), auf das Sie nun selbst einen liebevollen Blick werfen dürfen.
Fazit
Wir von Liebling + Schatz empfehlen: Schauen Sie sich bereits in der Kennenlernphase immer das Gesamtkonstrukt an und sprechen Sie es bei Ihrem Gegenüber an, falls Ihnen etwas negativ auffällt. Auch macht es Sinn, das eigene Verhalten und seine Gefühle in diesem Prozess immer wieder zu reflektieren, anstatt sofort das Weite zu suchen. Kein Mensch ist perfekt und ebenso wenig sind es Beziehungen – in vielen Fällen lohnt es sich, wenn beide einmal genauer hinschauen, wo der Schuh wirklich drückt.
Sie sind bereits in einer Beziehung und es gibt Redebedarf aufgrund von Verhaltensweisen, die Ihre Partnerschaft belasten? Sie sind Single und bemerken, dass Sie immer wieder Menschen daten, die Ihnen nicht guttun?
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Foto-Credit: Unsplash/Chi Nguyen