Mehr als nur Freundschaft, aber offiziell zusammen ist man nicht – willkommen in der Situationship! Was hat es mit dem Dating-Phänomen auf sich und was kann man tun kann, wenn man sich (unglücklich) in solch einer Beziehung befindet? Liebling + Schatz klärt auf.
Inhalt:
- Was ist eine Situationship?
- Anzeichen einer Situationship
- Ich bin unglücklich in einer Situationship – was tun?
- Kann aus einer Situationship eine „echte“ Beziehung werden?
- Fazit
Wein und Snacks stehen bereit und auch die Kerzen hat Tom noch schnell angezündet – er hat alles für einen gemütlichen Filmabend mit Laura vorbereitet. Kurz bevor sie eintreffen sollte, leuchtet sein Handy auf: „Hey mein Lieber, sorry – ich schaff´s heute doch nicht, eventuell nächste Woche? Wir schreiben!“ Der junge Mann ist enttäuscht. Und das, obwohl die beiden sich seit Tagen nicht gesehen haben. Es ist nicht das erste Mal, dass seine Freundin so kurzfristig ihre Pläne ändert und auch Toms Kumpels finden, dass alles ziemlich unverbindlich bei den beiden läuft.
Langsam wird auch Tom unsicher. Marie und er daten sich bereits seit einem halben Jahr und wenn sie sich treffen, ist es Leidenschaft pur. Freunde und Familien haben sie gegenseitig jedoch noch nicht kennengelernt, auch Pläne für die Zukunft schmiedet Marie nur ungern. Darauf angesprochen meint sie: „Es ist doch alles schön, so wie es gerade ist.“
Was die beiden erleben, hat einen Namen: Situationship. Auch wenn der Begriff recht neu ist, gibt es diese Form der Beziehung schon lange.
Was ist eine Situationship?
Der Begriff selbst setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern „situation“ (deutsch: Situation) und „relationship (deutsch: Beziehung). Man könnte also sagen, Betroffene befinden sich tatsächlich in einer beziehungsähnlichen Situation. Einerseits ist da mehr als Freundschaft und Sex, die Gefühle können durchaus tiefer gehen. Andererseits wird nicht darüber gesprochen, ob die Beziehung exklusiv ist oder welche Erwartungen es gibt.
„Lockere Beziehungen“ gibt es seit jeher – häufig wird der Begriff „Situationship“ aber auch benutzt, um das neue Dating-Verhalten der Generation Z zu beschreiben. Einer der wesentlichen Wünsche dieser Generation ist es, nichts zu verpassen und daher suchen sie eher nach Beziehungen, in denen sie zwar mehr Vertrautheit und Intimität als bei einer Affäre erleben, sich jedoch nicht festlegen müssen.
Anzeichen einer Situationship
- Unklare Definition: Die entscheidende Frage „Was ist das eigentlich zwischen uns?“ steht (noch) aus.
- Unregelmäßige Treffen: Dates finden eher spontan und kurzfristig statt.
- Alles anonymer: Man lernt weder den Freundeskreis noch die Familie der anderen Person kennen.
- Keine Zukunftspläne: Gemeinsames Wohnen, Urlaube oder andere langfristige Vorhaben werden nicht besprochen.
- Oberflächliche Gespräche: Es findet wenig bis kein Austausch über tiefere Gefühle und Gedanken statt.
- Fokus auf körperliche Nähe: Die Beziehung konzentriert sich auf Körperlichkeit und Sex, ohne, dass eine tiefe emotionale Verbindung aufgebaut wird.
Ich bin (unglücklich) in einer Situationship – was tun?
Insbesondere für Personen, die auf der Suche nach einer emotionalen und körperlichen Verbindung sind, aber nicht die Bereitschaft mitbringen, sich ganz und für die Zukunft auf einen Menschen einzulassen, kann die Situationship eine verlockende Option sein.
In vielen Fällen sehen das sogar beide zu Beginn so, bis ein Ungleichgewicht entsteht:
- Eine Person investiert und wünscht sich mehr als die andere.
- Es entstehen Unsicherheiten, Verwirrung und das Gefühl nicht genug zu sein, weil die Beziehung keine klare Richtung hat.
Wer sich in diesen beiden Punkten wiederfindet, läuft Gefahr, sich emotional in einer Beziehung zu verrennen, die gar keine richtige ist.
Was kann man als Betroffener tun?
- Seien Sie ehrlich mit sich: Stellen Sie sich zunächst selbst die Fragen: Warum bin ich in dieser Beziehung? Was erwarte ich mir davon und von meinem Gegenüber? Bin ich wirklich verliebt oder kann ich nur schlecht allein sein?
- Ehrliche Kommunikation: Auch wenn sie Angst vor einer möglichen Ablehnung haben – suchen Sie das Gespräch und teilen Sie Ihre Gefühle und Bedürfnisse mit. Jede Klarheit ist besser, als noch länger in der Ungewissheit zu verharren.
Grenzen setzen: Ein Punkt, der in jeder Beziehung wichtig ist. Vor allem, wenn sie es mit unzuverlässigen Partner:innen zu tun haben. Wenn Sie sich klar positionieren und ein solches Verhalten nicht durchgehen lassen, zeigt sich eventuell schon, ob es mit Ihnen beiden weitergeht oder die Situationship besser beendet werden sollte.
Kann aus einer Situationship eine „echte“ Beziehung werden?
Ja, das ist möglich. Eine Situationship kann nach wenigen Wochen vorbei sein oder in eine ernsthafte Beziehung übergehen. Für Letzteres braucht es jedoch eine offene Kommunikation und der Wunsch nach einer tieferen Verbindung zwischen beiden Partner:innen. Hat man es beispielsweise mit einem vermeidenden Beziehungstyp zu tun, dem es grundsätzlich schwerfällt, langfristige Beziehungen aufzubauen, kann dies schon zu einer Herausforderung werden. Entwickeln beide Partner:innen ein Bewusstsein über ihre Beziehung und Bindungsmuster, können zwei Menschen auch in einer Partnerschaft miteinander wachsen.
Fazit
Situationships haben Vor- und Nachteile. Sie erfordern in jedem Fall ein hohes Maß an Bewusstheit für sich selbst und seine Werte – oder sie werden einer Person durch das Erleben einer solchen Beziehungsform erst richtig bewusst.
Sie sind bereits in einer Situationship und haben Redebedarf? Sie sind sich einig, dass sich beide mehr Tiefe in der Beziehung wünschen, wissen aber nicht wie? Oder Sie sind Single und bemerken, dass Sie immer wieder Menschen daten, die sich auf keine tiefgehende Beziehung einlassen?
In unserer Praxis haben häufig mit diesen Themen zu tun. Wenn Sie unsere Unterstützung bei Ihrem individuellen Thema wünschen, kontaktieren Sie uns!
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Foto-Credit: Unsplash/Sebastian Dimitru